Planungsbüro Holger Fischer
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Stadt Butzbach, Kernstadt: Bebauungsplan „Wohnen am Limes“

Die Freigabe über viele Jahrzehnte militärisch genutzter Liegenschaften und deren Veräußerung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben stellt für die betroffenen Städte und Gemeinden eine zum Teil deutliche Herausforderung dar. Dass diese auch als Chance für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklungsplanung verstanden werden kann, zeigt das Beispiel der ehemaligen Romanway Housing Area in Butzbach im nördlichen Wetteraukreis. Zwischen 1953 bis 2007 waren in dem Mittelzentrum bis zu 5.600 Soldaten der US-Army stationiert. Die in den 1950er Jahren erbaute und 2008 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, BImA, freigegebene ehem. Housing Area umfasst rd. 700 Wohnungen überwiegend in Mehrfamilienhäusern, Schule und Hospital. Die gesamte Liegenschaft steht leer. Eine Nutzung findet nicht statt.

Auf Initiative der Stadt Butzbach wurden die für eine künftige Nutzung wesentlichen Rahmenbedingungen bereits frühzeitig geklärt. Namentlich genannt sei das Weltkulturerbe Limes, der Grenzwall passiert die ehemalige US Wohnsiedlung in einer Entfernung von nur wenigen Metern. Das zu seinem Schutz errichtete römisches Kastell bzw. das vorgelagerte Lagerdorf ist unmittelbar betroffen, es ist teilweise überbaut. Anzusprechen sind ferner die Belange des Artenschutzes, da eine Vielzahl von Mehlschwalben ihre Nester an den Außenfassaden der Wohnblocks gebaut haben. Hinzu kommen die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung, die beidseits der ehemaligen US Wohnsiedlung liegenden Quartiere und ihre Bewohner sollen einander wieder angenähert werden, die Trennwirkung der nach dem 11.09.2001 abgeriegelten Wohnsiedlung soll nicht nur baulich beseitigt werden. Anzusprechen bleiben schließlich die Themen der Ver- und Entsorgung. So soll die bisher vorhandene Fernwärmeversorgung erhalten bleiben, geprüft wird, das alte Heizwerk auf Holzbefeuerung umzustellen, so dass das gasbetriebene neue Netzwerk zukünftig nur noch eine Sicherheitsreserve darstellt.

Durch die enge Zusammenarbeit der Stadt und der Energieversorgung Butzbach mit der Investorengruppe wurde bereits im Vorfeld der Bauleitplanung Einvernehmen darüber erzielt, welche der Wohnblocks erhalten werden sollen und welche niedergelegt werden, um das Gelände anschließend zu restrukturieren und für eine Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern, wie sie auch in den benachbarten Quartieren vorhanden sind, vorzubereiten. Hinzu kommen eine temporäre Nutzung der ehemaligen Schule als Kindertageseinrichtung und der Umbau eines zentral gelegenen Wohnblocks zur öffentlichen Nutzung als Initial für die Entwicklung einer Sozialen Mitte an der Schnittstelle der ehemaligen US Wohnsiedlung und des angrenzenden Quartiers Degerfeld.

Da die derzeitige geringerem Bebauungsdichte bezogen auf die Grundflächenzahl auch zukünftig nicht wesentlich erhöht werden soll, bleibt die in § 13 Abs. 1 Nr. 2 des Baugesetzbuches genannte Grenze von 70.000 m² Grundfläche unterschritten, so das die Aufstellung des Bebauungsplanes noch im beschleunigten Verfahren, welches der Bundesgesetzgeber im Jahr 2007 unter anderem für solche innenliegenden Konversionsflächen eingeführt hat, aufgestellt werden kann.

Planziel ist im Wesentlichen die Ausweisung eines allgemeinen Wohngebietes, partiell ergänzt um ein Mischgebiet sowie ein Sondergebiet i.S. § 11 Abs. 3 der Baunutzungsverordnung, um das Bauplanungsrecht für einen überwiegend der Nahversorgung dienenden Lebensmittelmarkt zu erlangen.