Planungsbüro Holger Fischer
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Gemeinde Wohratal, Gewerbegebiet Halsdorf

Die Gemeinde Wohratal plant im Ortsteil Halsdorf im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans Gewerbegebiet Halsdorf „Westlich der Auestraße“ die Ausweisung eines Gewerbegebietes. Der am Ortseingang von Halsdorf gelegene Geltungsbereich umfasst den Bereich des ehemaligen Bahnhofs (derzeit der Sukzession überlassen), ein ehemals durch die Raiffeisen AG genutztes Gelände mit Gebäuden und befestigten Flächen sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen (Grünland). Die Ausweisung des Gewerbegebietes verfolgt das Ziel, für den Bereich des ehemaligen Bahnhofs und des Raiffeisenlagers eine für den Standort sinnvolle Nachfolgenutzung zu ermöglichen und darüber hinaus den Lückenschluss zum nördlich angrenzenden Ortsrand von Halsdorf in Form der Bereitstellung von verkehrlich gut angebundenen Gewerbeflächen herzustellen.

Aus Sicht der Umweltbelange hat sich das Gelände des ehem. Bahnhofs in den vergangenen Jahren mit seinen der natürlichen Sukzession überlassenen Dornenhecken und Schotterflächen zu einem strukturreichen Biotopkomplex entwickelt. Die im Rahmen der Umweltprüfung erfassten Vorkommen von Neuntöter und Zauneidechse stellen wegen ihrer artenschutzrechtlichen Relevanz ebenfalls erhöhte Anforderungen an die Planung. Besonders zu beachten ist zudem das unter Denkmalschutz stehende ehem. Raiffeisengebäude mit seinen Fledermausvorkommen im Dachstuhlbereich. Zur Vermeidung der Verbote des § 44 BNatSchG wurde die Durchführung von artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen aufgrund ihres vorlaufenden Charakters zeitnah erforderlich. Gemeinsam mit dem Bauhof der Gemeinde wurden so für die Zauneidechse im Randbereich des künftigen Gewerbegebietes an geeigneter Stelle vor Beginn der Vegetationsperiode Optimierungen der Lebensraumstrukturen vorgenommen (Anlage von Steinhaufen, Totholz sowie Sand- und Schotterflächen) und die Eidechsen anschließend ab März/April (bis September) in diese Bereiche umgesiedelt. Für den Neuntöter, der mit zwei Brutrevieren von der Planung betroffen ist, wurde die Planung einer externen Ausgleichsmaßnahme erforderlich. Im Bereich der Maßnahmenfläche sollen Dornenhecken mosaikartig neu angelegt werden. Aufgrund der engen Projekt-Zeitschiene soll die Anlage der Hecken dabei nicht in Form einer gärtnerischen Heckenpflanzung erfolgen, sondern stattdessen in Form einer Gehölzübertragung, d.h. aus definierten Bereichen der Eingriffsfläche am Bahnhof sollen Weißdornbüsche entnommen und in ausreichendem Umfang in die Ausgleichsfläche eingebracht werden. Gegenüber reinen Neupflanzungen, welche erfahrungsgemäß über Jahre hinweg als Bereiche mit nur wenig Habitatvielfalt bestehen bleiben, sind hierüber in Bezug auf die Besiedlung durch den Neuntöter aufgrund der unmittelbar zur Verfügung stehenden Strukturen schnellere funktionale Ausgleichswirkungen zu erwarten. Für die ebenfalls vom Neuntöter als Jagdflächen benötigten mageren Grünlandbereiche wurde der Oberboden der Ausgleichsfläche – mit Ausnahme der geplanten Gehölzbereiche – großflächig abgeschoben. Alle Maßnahmen werden in enger Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde vorbereitet und durchgeführt.