Planungsbüro Holger Fischer
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Stadt Alzenau, Nordpark

Im Rahmen des Bebauungsplans „Nordpark an der Siemens-/Dieselstraße“ erfolgt die Ausweisung von Gewerbegebieten sowie für eine Teilfläche die Ausweisung von Sondergebieten für großflächigen Einzelhandel. Da sich der im Plangebiet vorgefundene Bestand bisher v.a. aus Wald- und Sukzessionsflächen (teils ehemaliges Sandabbaugebiet) mit einzelnen Sandmagerrasenfragmenten zusammensetzte, wurden im Rahmen der Umweltprüfung umfangreiche floristische und faunistische Erfassungen notwendig.

Als besonders artenreich erwiesen sich dabei die offenen Flächen der mageren Wiesen und Sandmagerrasen, welche teilweise auch gefährdete und/oder geschützte Arten wie z.B. das Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), zwei Orchideenarten (Epipactis helleborine, Cephalanthera rubra) oder den Kleinen Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) beherbergen. Im Rahmen der avifaunistischen Erhebungen wurden im Plangebiet insgesamt 35 Vogelarten festgestellt. Als planungsrelevante Arten sind hierunter Mehlschwalbe, Mauersegler, Gartenrotschwanz und Grünspecht zu nennen; darüber hinaus befand sich mit dem Sperber eine weitere streng geschützte Art im Plangebiet. Im Rahmen der Reptilien-Bestandsaufnahmen wurden die Blindschleiche (Anguis fragilis) und die Zauneidechse (Lacerta agilis) im Plangebiet festgestellt. Letztere kommt im gehölzfreien Westteil des Plangebiets ± flächendeckend vor. Über die akustische Erfassung konnten im Untersuchungsgebiet mit der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und der Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) außerdem zwei Fledermausarten nachgewiesen werden. Im Rahmen der Kartierung ausgewählter Gruppen Wirbelloser konnten für das Plangebiet 12 Ameisenarten, 18 Tagfalterarten, 82 Hautflüglerarten (darunter vier vom Erlöschen bedrohte Arten) und 13 Heuschreckenarten festgestellt werden.

Zur Berücksichtigung der Verbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wurde im Rahmen der Planaufstellung anhand der Kartierungsergebnisse eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) erstellt. Diese kam zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung aller dort genannten Maßnahmen zur Eingriffsminimierung und zum vorgezogenen Ausgleich (u.a. Zauneidechsen-Umsiedlung und Nistkästen für den Gartenrotschwanz) für keine Art ein Erfordernis der Zulassung einer Ausnahme nach § 45 (7) BNatSchG besteht. Zur Erfolgskontrolle der Maßnahmen ist ein mehrjähriges Monitoring vorgesehen.

Im Zuge der im Frühjahr 2012 durchgeführten Rodungsmaßnahmen fand bereits eine biologische Baubegleitung statt, bei der eine Lenkung der Entwicklung von lockeren Baumbeständen durch gezielte Herausnahme einzelner Bäume stattfand. Anfang April wurden die erforderlichen Nistkästen für den Gartenrotschwanz aufgehängt. Zwischen April und Juli wurden die Zauneidechsen im Bereich des Baufelds umgesiedelt und das Baufeld durch das Aufstellen eines Schutzzauns abgegrenzt. Zudem wurde das Nest der Wiesen-Waldameise im nordwestlichen Bereich kenntlich gemacht.

Durch die geschickte Verteilung der Bau- und Freiflächen im Bebauungsplan können nennenswerte Flächenanteile des Sandmagerrasens im Bestand erhalten bleiben. Dennoch betroffene Bereiche werden im Vorfeld der Baufeldräumung flächig abgeschoben und umgesetzt. Als Zielflächen stehen hierfür insbesondere eine interne Maßnahmenfläche im südwestlichen Plangebiet sowie eine bestehende externe Ausgleichsfläche im Bereich des Industriegebiets Alzenau-Nord zur Verfügung. Hierdurch kann im Übrigen auch die Biotopentwicklung dieser Flächen – v.a. hinsichtlich des Artenreichtums – unterstützt werden.