Planungsbüro Holger Fischer
umweltplanung.png

Städte Usingen und Neu-Anspach,

Interkommunaler Solarpark in der Erdfunkstelle Usingen

Die beiden Städte Neu-Anspach und Usingen beabsichtigten im Rahmen einer interkommunalen Kooperation im Bereich der mit etwa gleichen Anteilen in beiden Kommunen gelegenen Erdfunkstelle Usingen die Errichtung einer Gemarkungsgrenzen über­greifenden Photovoltaik-Freiflächenanlage. Die Flächen der heutigen Erdfunkstelle wurden im Zweiten Weltkrieg militärisch als Munitionsdepot und Feldflugplatz genutzt, weshalb sie auch als militärische Konversionsfläche gemäß der Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eingestuft wurden. In ihrer heutigen Form besteht die Erdfunkstelle Usingen bereits seit 1979, wobei die Anlagen weltweite Satellitenverbindungen herstellen. Auf dem rd. 140 ha großen Areal der Erdfunkstelle befinden sich neben verschiedenen baulichen Anlagen etwa 70 Satellitenantennen mit unterschiedlichen Durchmessern sowie ausreichend Freiflächen zur Errichtung eines Solarparks.

Im Rahmen der Aufstellung des für das Vorhaben erforderlichen Bebauungsplans und der zugehörigen Umweltplanung stellten neben regionalplanerischen und forstrechtlichen Belangen, die vorgesehene enge Zeitschiene und insbesondere die naturschutzrechtlichen Aspekte eine besondere Herausforderung dar, da die Freiflächen der Erdfunkstelle überwiegend als extensiv genutzte Grünlandflächen (mit teils den Mager- und Borstgrasrasen nahestehenden Ausprägungen) ausgebildet sind, welche bereits im Rahmen der Hessischen Biotopkartierung als schützenswerte Biotope erfasst worden waren. Zudem galt es tierökologische und artenschutzrechtliche Belange in ausreichender Tiefe zu erfassen und zu berücksichtigen. Hierzu erfolgte eine systematische Erfassung der Tiergruppen Vögel, Fledermäuse, Bilche (Haselmaus), Reptilien, Amphibien, Tagfalter und Heuschrecken.

Im Interesse der kurzen Projektzeitschiene erfolgte die gesamte Bauleitplanung in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Insbesondere wurden auf der Basis der durchgeführten großräumigen Biotop- und Nutzungstypenkartierung die ursprünglich seitens der Kommunen ins Auge gefassten Projektflächen räumlich innerhalb der Erdfunkstelle weitgehend modifiziert, um einen nach allen Seiten tragbaren Kompromiss zu erzielen. Auf Basis der Bestandserfassungen wurden hierbei unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten die relativ unempfindlichsten Flächen identifiziert und das festzusetzende Sondergebiet Photovoltaik-Freiflächenanlage in diese Bereiche gelenkt. Besonders hochwertige Flächen wurden hingegen von der Planung ausgenommen und tlw. durch besondere Habitatstrukturen weiter aufgewertet (z.B. Aufschichtung von Steinhaufen mit integrierten Nisthilfen für den Steinschmätzer). Im Rahmen des Ausgleichs wurde darüber hinaus die Extensivierung externer Grünlandbestände festgesetzt.

Im Ergebnis der Planung (Herbst 2011 bis Sommer 2012) konnten innerhalb der Erdfunkstelle 14,1 ha Sondergebiet festgesetzt werden. Im Vergleich zu den ursprünglich projektierten Flächen von 12,4 ha konnte damit eine eindeutige win-win-Situation geschaffen werden. Die Errichtung des gemeinsamen Solarparks erfolgte bis Ende 2012 zeitgleich mit den ebenfalls erforderlichen Arbeiten zur Kampfmittelräumung unter Ausnutzung sämtlicher durch die Bauleitplanung ermöglichten Sondergebietsflächen.